Drakarta, am zweiten Tage in der neuen Welt

Wie mein Herr Wolfshelm von Eichenbrück mir geraten, will ich, Hannah van der Meijden, getreulich in diesem Buch, erworben in Drakarta, berichten von den Wundern und Schrecken, die wir in dieser fremden Welt schauen.

Doch zuerst muss ich wohl erklären, was uns wiederfahren ist, dass wir nun hier sind, in dieser Welt und nicht mehr dort, wo unsere Heimat ist. Allein, ich muss gestehen, verstehe ich es selbst nicht so recht. Hätte ich getan, was mein Vater von mir verlangte, und das Studium der Magie begonnen, so könnte ich es vielleicht in einem guten Dutzend Jahren hochgelehrt erklären. Doch ich habe ihm getrotzt und mich auf und davon gemacht um das Abenteuer zu suchen. Nun hat das Abenteuer mich gefunden und ich muss es nehmen wie es kommt.

Aber genug davon...

Alles begann an einem verregneten Abend im albernischen Land. Wir, mein Herr Wolfshelm, Junker zu Eichenbrück, sein guter und treuer Freund Amyon de LaValle, ein Chevalier aus dem lieblichen Feld, und ich, waren auf dem Weg nach Abilacht. Heimelig erschienen uns nach langem Tagesritt die Lichter der Gaststube "Zum fröhlichen Hirten", hier wollten wir uns wärmen, essen und einen Platz zum Schlafen finden. Allein, kaum hatten wie am Tische Platz genommen und unsere Speise bekommen, da traten Leute aus dem Dorfe ein und sprachen eindringlich den Wirt an, meinen Herren zu entdecken was hier kurz zuvor geschehen war und sie zu bitten, nach zwei Verschwundenen zu suchen. Meine Herren waren freundlich zu den einfachen Leuten und so erfuhren wir von einem Magus der einen Turm vom Baron gemietet hatte, um den nun seltsames Geschehen seinen Lauf nahm.

Wie es ihre Art ist haben meine Herren sogleich zugestimmt, sich bei Nacht in die Heide zu begeben um dem Geschehen auf den Grund zu gehem. Ohne Ruhe genossen zu haben rüsteten wir uns sogleich wieder und wurden vom Sohn des Wirts in einen alten Kuhstall auf der Heide geführt, von wo wir einen guten Blick auf den Turm hatten. Langsam erhob sich Nebel um uns, der immer dichter wurde. Vom Turm konnten wir seltsame Geräuche hören und Gestalten erhoben sich, durch die eingeschränkte Sicht niemals ganz klar zu erkennen und doch... mir schien ein Schlinger über die Heide zu wandern, seltsame Tiere zogen in Gruppen einher, ein Gräberfeld, schwebende Inseln, dampfende Duschungel... es war atemberabend! Die Stimme des Magiers, erst nur ein Raunen in unseren Ohren, wurde lauter und lauter.

Endlich beschloss Herr Wolfshelm, es müssen Illusionen sein, und wir sollten den Magus direkt konfrontieren. Also stiegen wir auf unsere Rösser und ritten hinüber zum Turm. Doch ach! Der Nebel hüllte uns ein, die vertrauten Sterne wandelten sich zu Bildern, die wir nie zuvor gesehen hatten und wo ein Mond gewesen war, da gab es nun sechs. Ich bekam den Befehl, den Nebel schnellstens zu verlassen. Wir alle gaben unseren Tieren die Sporen, doch es war zu spät. "Geschafft", schrie der Magus, "Archaeus, deine Geheimnisse gehören mir!" Dann schwanden mir die Sinne.

___________________________________________________________________________________________________

Als wir wieder erwachten, lagen wir auf seltsam rotem Sand. Ich habe dieses Buch ausgesucht, weil das Leder etwa die selbe Farbe hat und die Struktur derer von Dünen gleicht. So also sah es um uns herum aus. Im roten, sandigen Nichts waren wir gelandet. Unsere Pferde waren fort, doch ein leichtes Beben des Bodens ließ uns für den Moment hoffen, sie wären auf dem Weg zu ihren glücklosen Herrn. Weit gefehlt!

Mir war es, als hörte ich das Knarren von Takelage, ein Ton, der mir seit frühesten Kindertagen vertraut ist. Doch meine Herren wollten mir nicht glauben. Zu seltsam schien ein Schiff in der Wüste zu sein.

Aber zu unser allem Glück hatte ich mich nicht getäuscht, denn über den Dünen wurde ein Schiff mit Havenasegel sichtbar. Unter den Rumpf türmte sich eine Welle aus Staub, so dass wir erst nach einer Weile begriffen, dass es mitnichten auf dieser ritt sondern flog. Der Staub kam von der Herde wilder Echsentiere, die das Schiff verfolgte. Kurz darauf erkannten wir auf dem Rücken der Echsen gar Reiter. Wo waren wir nur gestrandet?

Der Kapitän des Schiffes hatte uns erblickt und warf Seile über die Reling. An diesen konnten wir zum Rumpf hinaufklettern und entkamen so den nach unserem Fleisch hungernden Echsen.

Der Kapitän selbst war ein seltsamer Mann, über zwei Schritt groß, dabei so dünn wie eine Zaunlatte, gekleidt in eine weite Robe aus grünem Stoff, eine dazu passende Kappe auf seinem bernsteinfarbenen Haar. Er sprach uns freundlich an, doch konnten wir ihn ebenso wenig verstehen wie er uns. Also ließ er uns stehen und begann in seiner Kajüte zu kramen, während wir die Zeit nutzten uns ein wenig mit dem seltsamen Flugschiff vertraut zu machen. Dessen Zustand war, das ließ sich auch mit unseren unkundigen Augen leicht feststellen, nicht der beste. Und doch erkannte ich einige Gemeinsamkeiten mit den mir vertrauten Schiffen.

Durch das zusätzliche Gewicht von drei weiteren Passagieren waren wir dem Boden näher gekommen. Ein Umstand, der unseren Verfolgern gefiel, uns aber gar nicht recht sein konnte. Unser Gastgeber eilte zu uns zurück und reichte jedem von uns einen seltsam ledrigen Lappen an einem Band. Später fanden wir heraus, dass es sich dabei um die Zungen von Dämonen handelt, doch glücklicherweise blieben wir für den Moment unwissend und taten, wie er uns hieß und hängten sie uns um den Hals.

Nun endlich war eine Verständigung möglich und wir erfuhren, dass wir von einem reisenden Traumhändler namens Atvaris Diin gerettet worden waren. Die Tyr-Tareen, sein Schiff, lief Gefahr abzustürzen, wenn wir nicht halfen. Also setzten wir flugs und gleichzeitig die beiden Segel an den Rumfpseiten des Schiffes und gewannen so wenigstens etwas an Höhe.

Für den Moment gerette, bestürmten wir unseren Gastgeber mit den drängendsten Fragen. Wo waren wir? Wahrscheibnlich irgendwo zwischen Jaalad und Karantheum, in der Kharankhanischen Öde, war die Antwort, die uns gar nicht weiterhelfen wollte. Herr Amyon versuchte zu erklären, was mit uns geschehen war, und dass wir mitnichten freiwillig hier wären, doch Herr Atvaris glaubte ihm nicht. Er hielt uns wohl für entlaufene Sklaven aus dem schrecklichen Kwan-Reich und riet uns, bei unserer Geschichte zu bleiben. Er würde Kurs auf Drakarta nehmen, und von dort könnten wir gehen, wohin es und beliebe. Er zeigte uns auch eine Karte des Kontinents "Talislanta" auf dem wir uns nun befanden. Er selbst sei ein Phatasier, ein aufgeklärter Mann, der von Sklaverei nichts wissen wollte. Die Dämonenzungen, die uns eine Verständigung ermöglichten, hatte er von einem Taliskrämer als Bezahlung für einen Traum erhalten. Seine Magie allerdings, die er von weit mächtigeren Vorfahren geerbt habe, reiche nicht aus, um ein Ritual zu vollführen, das uns nach Hause schicken würde. Wir sollten uns an einen drakartischen Thaumaturgen wenden. Den Ursprung des Wortes Archaeus, das der Magier gerufen hatte als uns die Sinne schwanden, war für ihn der Name seiner Welt, nach den Archäern, die einst alles beherrscht hatten.

Wärend dieses Gespräches holten unsere Verfolger, Araks hieß man diese Kreaturen, weiter auf. Wir sahen uns gezwungen, Maßnamen zu ergreifen und ich darf mit Stolz berichten, dass ich trotz der Umstände einen der Reiter mit einem Pfeil getroffen habe. Das lange Üben unter Herrn Wolfshelms strenger Aufsicht zeigte also im Kampf Erfolg! Herr Amyon gelang es zur gleichen Zeit, ein Schiffsgeschütz in Betrieb zu nehmen, und als dessen Bolzen einschlug, explodierte der Sand mitten unter den Araks von denen viele tot mit ihren Reittieren liegen blieben.

Doch nicht der Bolzen des Geschützes hatte diese überraschende Wirkung, sondern eine weit effektivere Waffe an Bord des karavellengroßen Sandseglers, der hinter einer Düne hervorkam und uns gerade im rechten Moment Leib und Leben gerettet hatte.

Ein Trupp Reiter hatte das Schiff verlassen und rückten den Araks mit Säbel und Armbrust zu Leibe. Ihre Tiere waren beinahe so seltsam wie die unserer Verfolger. Auch wenn sie aventurischen Bidenhockern glichen, so waren es doch schuppige Echsenwesen, mit drei Höckern, langen Krallen wo Hufe hätten sein sollen und Hörnern auf dem Kopf.

Bei aller Fremdheit, so erschienen unsere Retter in Taktik und Gebahren jedoch nicht so anders als unere heimische Kavallerie. Was Herr Atvaris über sie zu sagen hatte, hätte er auch über meinen Herrn Wolfshelm sagen können und so fühlte ich mich zum ersten Mal in dieser neuen Welt sicher und gut aufgehoben.

Die Herren Wolfshelm und Amyon machten sich bei Atvaris kundig darüber, wie die Drakarter zu behandeln wären und erfuhren, dass man niemals den Gott Dschamba beleidigen dürfe, wenn man mit ihnen zu tun hat. Ansonsten kann man wohl zusammenfassen, dass sie den Rondrianern sehr ähnlich sind und keine Lügen mögen. Atvaris riet uns, bei unserer Geschichte zu bleiben, da wir, falls wir entlaufene Sklaven aus Kwan wären, wohl ausgeliefert werden müssten. Dieses Kwanreich soll so möchtig sein, dass selbst so hervorragende Krieger wie die Drakarter sich keinen Zwist leisten können.

 

 


Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!